Schurgedanken – Alpakaschur

Die Schur

Laut Tierhaltungsverordnung der Schafe im §1. ThVO, Anlage 3, 2.7:

Schafe müssen, soweit dies rassebedingt erforderlich ist,

mindestens einmal jährlich geschoren werden

Warum sollte dies bei Neuweltkameliden anders gehandhabt werden?

  • das Haar wächst bei den Neuweltkameliden monatlich ca. 1cm, wie bei den Schafen auch
  • beide Tierarten wurden vom Menschen vor tausenden von Jahren domestiziert und züchterisch auf unsere Bedürfnisse angepasst
  • über Jahrhunderte wurden und werden weiterhin diese Tierarten als Wollproduzenten mit einem immer höherem Schurertrag, einer immer besseren Faserqualität und Faserdichte durch Züchtung optimiert
  • diese Faktoren fordern von uns eine bewusst tierschutzrechtlich, artgerechte Haltung und Pflege

 Positiven Aspekte der Schur

Der Tierhalter bekommt durch die regelmäßige Schur einen Gesamteindruck von seiner Herde. Er sieht bei seinen Tieren den Ernährungs- und Gesundheitszustand, Hautprobleme oder Mangelerscheinungen und Körperhaltungsfehler einzelner Tiere werden sichtbar.

Die  Schur ermöglicht den Tieren, die Sonnenstrahlen über die Haut besser aufzunehmen, daraus resultiert eine ausreichende Vitamin-D-Bildung über die Haut.

Vitamin D spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Calcium-Spiegels im Blut und bei dem Knochenaufbau

Kameliden atmen bis zu ca. 70% über die Haut

Hormonelle Prozesse- Stimulationen werden aktiviert, fördert

bei Hengsten und Stuten für die Paarung, die Deckbereitschaft

Die Schur erleichtert den trächtigen Stuten die Tragezeit und später das Abfohlen. Die Fohlen haben nach der Geburt eine leichtere Orientierung zum Euter

Geschorene Fohlen können durch die Schur besser wachsen und gedeihen, es wird ein Vitamin D Mangel vorgebeugt

Vitamin-D-Mangel führt mittelfristig bei Heranwachsenden zu Rachitis (gestörte Mineralisation der Knochen und Desorganisation der Wachstumsfugen)und bei Ausgewachsenen zu Osteomalazie(schmerzhafte Knochenerweichung)


Schur- Rhythmus aus Tiergesundheitlicher Sicht

Classic Lamas jedes Jahr-mit regelmäßiger Fellpflege jedes zweite Jahr   1,0 -3kg Schurertrag

Alpakas ( Suri und Huacaya)

Wolly-Lamas                                                  jedes Jahr                              1,5 -5kg Schurertrag

Fohlen                                                             im Geburtsjahr in  Absprache mit dem Scherer

im Folgejahr (zwingend notwendig)

 


Schurarten

Maschinelle Schur-                            elektrische Schermaschine

Handschur-                                        Handschere, Schafschere

Bodenschur oder Tischschur-                        liegend, fixiert

Standschur-                                        Pflegestand, Lamastand

Freistehend im Halfter fixiert (mit Risiko verbunden)

Schurzeit ist regional und Wetterabhängig bedingt, von April bis Ende Juli

Termin: Anmeldung am Jahresanfang bei dem Scherer und Absprache zur

Schur und Preisabklärung

Der Preis einer Schur setzen sich aus der Arbeitsleistung pro Tier und dem Messerverbrauch

( Schleiferlohn der verbrauchten Messersätze) und eventuell

Nagelpflege zusammen

Schur-Treffpunkt muss nicht gleich Tierstandort bedeuten


Schurtag

Die Tiere müssen am Tag der Schur trocken und das Fell sauber sein!

Schurplatz:

alle Vorbereitungen für die Schur müssen am

Tag der Schur abgeschlossen sein

– der Schurplatz sollte groß, hell und gut zugänglich sein

– der Boden eben, trocken, fest und sauber sein

– genügend Helfer und ein abgesicherter Stromanschluss

– geeignete Wollsäcke in genügender Stückzahl ( 2 pro Tier)

– die Tiere sollten in der Nähe zur Schur stehen (zur Vorbereitung:

Fell striegeln und abklopfen)

– Medikamente und Desinfektionsmittel zur Behandlung von kranken Tieren und

kleineren Schurverletzungen bereithalten

– Notizblock oder Stallbuch für Eintragungen

– wenn es regnet muss ein Überdachter Schurplatz zur Verfügung stehen,

– Waschgelegenheit für den Scherer und den Helfern

Kranke Tiere immer vor Schurbeginn benennen, um den Schurablauf zu optimieren

Wichtig, Tiere die aus dem Ausland kommen, benennen!


Anforderungen an den Scherer

– fachliches Wissen, sauberes Arbeiten und Scheren

– tiergerechter, vernünftiger Umgang mit den Tieren

– ruhiger Arbeitsablauf ohne Stress und Hektik

– korrekte Arbeitsanweisungen, ordentlicher Umgang mit dem Helferteam

– saubere Kleidung

– saubere und technisch gepflegte Arbeitsgeräte und Zubehör

– Desinfektionsmittel für Arbeitsgeräte und Flächen

– mengenmäßig ausreichend scharfe Schermesser

 


10 Dinge die der Tierhalter wissen sollte

  • Terminabsprachen sollten eingehalten werden, bei kurzfristiger Absage wird eine Kostenpauschale erhoben
  • für den gesamten Schurverlauf hat der Halter Sorge zu tragen, daß die Arbeitsabläufe optimal verlaufen
  1. dies heißt, das die vorgereinigten Tiere dem Scherer an dessen Arbeitsplatz zügig bereitgestellt werden
  2. daß die Wolle während des scherens, flott nach Anweisung sortiert, weggenommen und verräumt wird,
  3. der Scherplatz vor dem bringen des nächsten Tieres, bereinigt werden sollten
  • Irrtum ist es zu denken, das der Scherer verpflichtet ist, die zu scherenden Tiere zu fangen, anzuhalftern, zu reinigen und an den Schurplatz zu verbringen, während des Scherens die Wolle wegzuräumen und nach dem Scheren den Scherplatz zu fegen
  • Tierhalter und Helferteam beeinflussen mit ihrem Verhalten den Verlauf der Schur, je größer das Helferteam, ab 4 bis 5 Personen, um so leichter die Abfolge bei der Schur – denn“ viele Hände, schnelles Ende“
  • eine Schur kann, je nach Mentalität des Tieres und der Zusammenarbeit des Halters und dessen Helfer mit dem Scherer, 10- 40 min. dauern
  • das der Scherer „ punkt .. Uhr „erscheint, ist nicht planbar …weil

der individuelle Zeitfaktor, dieser setzt sich zusammen in An und Abfahrt und länge   des Schergeschehens bei dem vorherigen Kunden, nicht genau zu kalkulieren ist

das bedeutet, der Scherer kann nur einen ungefähren  Ankunftstermin angeben

dafür muss ein gewisses Verständnis bestehen

Auf keinen Fall sollte ein nasses Tier dem Scherer zur Schur vorgestellt werden.


Halter die selbst scheren wollen, sollten durch aktive Teilnahme und Mitarbeit bei anderen Züchtern, bei deren Schur ihrer Alpakas, unbedingt Erfahrungen über das Scheren und dem Ablauf einer Schur, sammeln.

Pflicht ist die Absolvierung eines Scherkurses

Schur-Vorbereitung

beginnt schon mit dem Erwerb dieser Tiere, begleitet uns über das ganze Jahr, bis zum Tag der Schur.

Stallbedingungen

– tiersichere, stehende Heuraufen
– trockener Stallboden
– saubere nicht haftende Einstreu im Winter, heruntergefallenes Restheu
– Zugluftfreie Belüftung
– genügend Platz für jedes Tier
– verschließbare Stalltüren/-tore

Grundstücksbedingungen

– tierartgerechte Grundstücksgröße
– bereitstellen von Unterständen
– Grünfutterqualität  und Giftpflanzen- Kontrolle

– Baumbepflanzung ( Schattenspender), Giftpflanzen beachten
– regelmäßige Kotstellen- Beräumung
– Suhl- Badestellen aus feinem Kies- Sandgemisch

 Anforderungen an Tierhalter

– regelmäßige Gesundheitskontrollen, Mangelerscheinungen, Endo- und Ekto- Parasitenbefall     und Zahn- und Zehennagelpflege

– Körper-Kontaktfähigkeit des Tieres, Desensibilisierung (Abschwächen der  Überempfindlichkeit durch Berührung)

– Fellpflege am Tier und freihalten des Augenbereiches

Halfterführigkeit des Tiere

– tägliche Heu- und Wassergabe

diese Faktoren spielen in der Wollpflege und Wollqualität Ihrer Tiere eine wichtige Rolle


Der Umgang mit dem Vlies

Vlies- Lagerung

 

frisch nach der Schur in Kartoffelnetzen, Papiersäcken oder Kartons  locker sortiert aufbewahren, Wolle muss auskühlen und trocknen, Wolle und Haare atmen noch weiter aus

ideal sind überdachte luftig kühle Stellen zum lagern oder aufhängen der Säcke wenn dies nicht gewährleistet wird, kann Ungeziefer, Pilz und Bakterienbefall auftreten, die Wolle wird unbrauchbar

nach 14 Tagen bis 3 Wochen kann das Vlies umgelagert werden, in festere Säcke aus Papier mit Mottenkügelchen versehen oder Kunststoff –Vakuumbeutel. Der Lagerraum sollte eine gleichmäßige kühle Temperatur aufweisen, luftig und trocken sein (relative Luftfeuchte 70% und Temperatur 20 °C nicht überschreiten), so kann dem Vlies über lange Zeit nichts geschehen. Ab und zu sollten Sie Kontrollgriffe in die Säcke durchführen (Mäusenest, Mottenbefall )

die Vliese dunkel lagern, eine hohe Lichteinwirkung führt

zum Abbau der Fasersubstanz


Service
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